Von Alfred Gertz auf Donnerstag, 26. Oktober 2017
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Poetry Slam in Mettenhof

Poetry Slam in Mettenhof  - 07. Oktober im Bürgerhaus

Interview mit Björn H. Katzur

Suzan Vogel-Vitzthum: Björn, in einer Kaffeepause in der Thinkfarm / Alte Mu, haben wir eine Gemeinsamkeit festgestellt. Mettenhof. Ich lebe in Mettenhof und Du hattest am 07. Oktober im Bürgerhaus einen Poetry Slam. Du machst Lesungen, Satire, Krimis und vieles mehr. Ein Schwerpunkt Deiner Bühnentätigkeit ist Poetry Slam. Was ist das Besondere am Poetry Slam?

Björn H. Katzur: Poetry Slam ist ein moderner Dichter- und Dichterinnenwettstreit. Menschen stellen sich mit selbst verfassten Texten auf eine Bühne, tragen ihre Texte vor und stehen im Wettbewerb zueinander. D.h. eine Jury aus dem Publikum oder das gesamte Publikum stimmen per Applauslautstärke ab, welcher Vortrag, welcher Text ihnen am besten gefallen hat. Per Applaus werden die Finalisten und Finalistinnen *innen bestimmt. Diese treten dann gegeneinander im Finale an. Zu Schluss gibt es einen Sieger oder Siegerin des Poetry Slam. Ein Poetry Slam kann ganz klein in einem Jugendzentrum oder Cafe` stattfinden oder auch in ganz großen Sälen oder wie z.B. in Hamburg vor 10.000 Leuten auf einer Freilichtbühne. Das ist es, was ich am Format des Poetry Slam sehr spannend finde. Einerseits kann es in einem kleinen Rahmen stattfinden, das hat mich z.B. am Auftritt in Mettenhof gereizt. Auf der anderen Seite ist Poetry Slam in den letzten Jahren sehr gewachsen. Poetry Slam hat sich zu einer Talentschmiede entwickelt. Es passiert einfach viel. Und es ist einfach ein spannendes Format: man weiß nicht, was die Leute vortragen. Es muss nur selbstgeschrieben sein und in das vorgesehene Zeitlimit passen, keine Requisiten, Kostüme benutzen, man darf nicht übermäßig singen Aber dann bleibt noch sehr viel übrig... Du bist komplett frei, wie dieser Text gestaltet ist, eine Kurzgeschichte, das kann ein Art Monolog sein, wie man Sachen sieht oder einfach mal auskotzen, das können Gedichte sein, das kann ein Dialog mit sich selber sein. Es ist alles frei.

Suzan Vogel-Vitzthum: Mir ist aufgefallen, dass bei vielen Poetry Slams oft ein bestimmter Sprechrhythmus vorherrschend ist. Wie erklärst Du Dir das?

Björn H. Katzur: Ich glaube, es gibt gewisse Moden. Wenn ein/e Poetry Slammer/-innen etwas macht und erfolgreich ist, dann gucken sich das die Leute ab. Ja, die Szene ist innerhalb Deutschlands gut vernetzt befruchtet sich gegenseitig. Aber ob bewusst oder unbewusst schaut man sich dann Sachen ab. Es ist eine Kommunikation, die zwischen Auftretenden und Publikum stattfindet. Wenn man das Gefühl hat, wenn ich die Sache so betone, dann funktionieren sie am besten, dann setzt sich das durch und es entstehen gewisse Moden.

Es bleibt ein Spannungsfeld was Poetry Slam aufmacht: von alternden Misanthropen bis zu Teenagern, die ihren Hass auf die Welt hinausschreien bis zu Hausfrauen, die Gedichte machen. Das findet auf kleinen Bühnen statt. Bei großen Veranstaltungen werden erfolgreiche Poetry Slammer/-innennen, die gut beim Publikum ankommen, gebucht. Das ist die Spannungsweite zwischen Kleinkunst, Alltagspoesie, Alltagspoeten bis hin zu Ausnahmepoeten. Du darfst alles auf der Bühne machen, aber wenn Du erfolgreich sein willst, hängt das davon ab, wie Du beim Publikum ankommst. Das hat die Schattenseite, dass Texte glattgeschliffen werden, es wird das präsentiert, was das Publikum eh schon denkt und hören will, also Mainstream. Ich finde es immer nett bei kleinen Veranstaltungen, wenn Leute unvermutet provokante Sachen präsentieren.

Suzan Vogel-Vitzthum: Dein letzter Auftritt in Kiel war in Mettenhof. Welchen Eindruck hast Du vom Mettenhofer Publikum. Wie war die Atmosphäre auf dem Poetry Slam?   

Björn H. Katzur: Das war toll! Das Mettenhofer Publikum war total offen, hat sich sehr darüber gefreut, was präsentiert wurde. Wir hatten eine schöne Mischung an Texten und das wurde sehr gut aufgenommen. Die Stimmung im Bürgerhaus war einfach großartig und offen. Das war einfach schön

 

   

Suzan Vogel-Vitzthum: Du kommst wieder nach Mettenhof? Wann? 

Björn H. Katzur Ja auf jeden Fall! Wir haben das lose angedacht im Rahmen des literarischen Frühlings im März!

Suzan Vogel-Vitzthum: Den Termin werde ich mir auf jeden Fall merken. Vielen Dank für das Interview. Wir treffen uns dann im Dezember direkt in Mettenhof zu einem poetischen Winterspaziergang. 

Björn H. Katzur : Sehr gerne!

Text: Suzan Vogel-Vitzthum

Bilder: Selina Seemann



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