Hof Akkerboom e.V.

Di29Mai 
Information
29 Mai 2018

F r a u e n z i m m e r
 
Mechthild Menne-Schönheit - Zeichnungen, Objekte, Collagen, Malerei

Schon mit der Laudatio gab es am Freitagabend den 25 Mai in der Kulturscheune auf Hof Akkerboom eine beeindruckende Einführung über die Welt der Linie. Diese Grundtechnik durchzieht fast alle Arbeiten von Mechthild Menne-Schönheit.
 
Frauenzimmer    Mechthild Menne Schönheit

In ihrer Eröffnungsrede ging Dr. Sabine Behrens tiefer in die Historie der Linie in der Zeichnung ein.
Mit der "Schönen Linie" gab es in der Renaissance einen allgemein anerkannten Linientyp. Im Gegensatz zum architektonischen Zeichnen, wo der Linientyp hauptsächlich gerade und starr war, gab es bei der "Schönen Linie" die runden, schwingenden und kurvigen Formen.

Dies änderte sich mit dem Impressionismus. Mit der Lockerung der Beziehung zum beschreibenden Gegenstand erfolgte eine Art "Befreiung der Linie" und eine neue Blütezeit der Linie mit ihren vollen Linienreichtum wurde geboren.
Eckige, sperrige und ruinöse Linientypen ergänzten nun die vorher dominanten schön und kurvigen Linien. Eigenwillige Vertreter dieses Genres sind zum Beispiel Paul Klee und Pablo Picasso mit ihren Werken.
Die Künstlerin Mechthild Menne-Schönheit wurde 1953 in Dortmund geboren. Die künstlerische Aus- und Weiterbildung führte sie über Bochum, Marburg und Berlin. In Kiel 1997 angekommen, ist sie seit 2011 Mitglied des BBK Schleswig-Holsteins und nahm an den Landesschauen 2011, 2012 und 2014 teil. 2012 gewann sie dort den Publikumspreis für ihr Werk "Zeit-Schrift".

Duo in Blau, Trio in BlauKommunikation

In ihren 17 "Buchobjekten" werden Modelle gezeichnet, die sich in ihren Posen freien Lauf lassen dürfen. Dabei treten unterschiedliche Modelltypen auf. Sie reichen von der 17-jährigen Schülerin bis zur 83-jährigen älteren Dame. Ungekünstelt natürlich wirkende Stellungen lassen dabei die einzelnen Charaktere hervortreten und man kann den einzelnen Zeichnungen - und Büchern - die jeweiligen Personen zuordnen und somit einen hohen Wiedererkennungswert erreichen. Die Besonderheit dabei ist, dass pro Seite 2 Minuten freies Zeichnen erlaubt ist, danach wechselt das Modell die Position. Karikaturistische, teilweise skurril überspitzte und freche Arbeiten entstehen daraus, die oft einer Situationskomik entsprechen. Das dabei auch kleine Geschichten entstehen versteht sich von selbst.
 
Mechthild Menne Schönheit mit HuhnTrio I, Duo, Trio II   Transparent
 
In "Eingefädelt" verbindet die Künstlerin die Seiten mit Fäden und dadurch mit ihren Modellen faden(scheinig) und lässt dabei gewisse Verknüpfungen beim Betrachter zu.
Die Künstlerin arbeitet hauptsächlich mit Finelinern, die es ermöglichen, in einem Strich - ohne Unterbrechungen und abzusetzen - ihre Werke zu vollenden. Bei Bleistiftzeichnungen wäre so etwas undenkbar. Somit liegen ihre Grenzen bei den Umrissen ihrer Modelle. Bei ihr gilt es das Wesentliche zu erfassen nach dem Motto "Lieber zu wenig als zuviel".
Nach Beendigung einer Sitzung werden die Rohentwürfe anschliessend nachgearbeitet. Durch das Ergänzen einiger Körperpartien oder Bekleidungsstücke mit Farbe kommt eine gewisse Ausdrucksstärke zu Tage, die der Skizze noch eine zusätzliche Kraft verleiht. Dabei kommen Tintenroller zum Einsatz, die flächenhaft, unter fortwährendem Kreisen in kleinen Kullern, aufgetragen werden. Die Effekte sind dabei die unterschiedlichen Tonwerte in den ausgemalten Flächen, die dadurch erhaben wirken - also keine Schraffuren.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen drei Werke, die auf transparentem Glas erscheinen. Eigentlich sind es sechs Werke, bei deren Drehung des Glases sich dem Betrachter ein anderes Bild zeigt und bei einem bestimmten Abstand zu einer Wand - entsprechende Beleuchtung vorausgesetzt - einen Schattenwurf erzeugt.
"Black Magic Woman I" ist ein weiteres Bild von ihr und setzt sich aus 140 kleinen Arbeiten zusammen, die jeweils nur eine Größe von 8 x 10 cm haben. Diese Kollektion, aneinander und untereinander feinfühlig gereiht, besteht hauptsächlich aus Frauenbildnissen, bei dem sich der Besucher beim Betrachten des Werkes "magisch" angezogen fühlt.

Eine Raffinesse bei dem Bild "Kommunikation" besteht darin, dass die 17 Figuren, die das Werk enthält, versetzt werden können. Dies ist möglich, da die Pappfiguren mit Magneten auf der Rückseite befestigt sind und auf zwei Magnettafeln haften. Durch das Versetzen ist somit  eine erhöhte Kommunikation der Protagonisten untereinander in diesem Werk gegeben.

Fascinate, aus dem Englischen kommend, bedeutet soviel wie bezaubernd. Mit einem Fascinator verzaubern hauptsächlich beim königlich-englischen Pferdewettrennen die Damen der höheren Gesellschaft ihre Köpfe. Mit dieser Kopfbedeckung gelingt es Menne-Schönheit sogar ein Huhn in diese Gesellschaft zu erheben.
 
Vor dem Bücherschrank    Huhn mit Fascinator
 
„Frauenzimmer“ - der Titel dieser Ausstellung könnte nicht passender gewählt sein. Knapp 50 Werke, 17 Buchobjekte und ein Huhn sind in der Kulturscheune des Hof Akkerboom ausgestellt.
Dabei hat es mit dem Titel "Frauenzimmer" so seine Bewandtnis. Denn gerade in der heutigen Zeit ist es eher eine verruchte Bezeichnung, wogegen der Name früher für eine Dame der höheren Gesellschaft stand. Bis zum 16. Jahrhundert stand dieser Begriff jedoch noch für die vornehmen Frauengemächer, die hauptsächlich in Burgen und Schlössern vorhanden waren.

Für unsere Künstlerin steht der Begriff für eine in der heutigen Zeit lebenden Frau, die ihre eigenen Wege geht, ihre Interessen vertritt und eigenwillig ihre Ziele verfolgt. Kreative Ideen entwickeln und umsetzen, dabei unkonventionell zu sein und selbstbewußtes Auftreten miteinander zu verbinden, dass ist es, was die Künstlerin antreibt.

In der heutigen Ausstellung werden Werke ausgestellt die 2017 und 2018 entstanden sind. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Frauenbildnisse. Damit wandelt sich die Kulturscheune selbst in ein "Frauenzimmer" in dem aber auch Vertreter des anderen Geschlechts gerne gesehen werden.

Mechthild Menne-Schönheit arbeitet selbst in einer Gruppe zusammen, die sich Mittwochmorgens in lockerer Runde trifft. Zurzeit besteht diese Gruppe aus acht Frauen und einem Mann, der sogenannte Quotenmann. Es wird also noch gesucht. Wo ist er also, der Mann, der sich noch traut?

Die Ausstellung ist noch bis zum 03.06.2018 in der Kulturscheune des Hof Akkerboom zu besichtigen.
Der Eintritt ist frei.

Öffnungszeiten: Mo-Fr: 14:00 bis 16:00 Uhr, Sa-So: 10:00 bis 12:00 Uhr und 14:18 Uhr

Wilfried Likuski  (Text + Fotos)

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