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Polizeihauptkommissar Ralf Schwertfeger, Leiter des Sachgebietes Prävention, kennt die Tricks der Täter: "Die Täter gehen in der Regel arbeitsteilig vor. Einige lenken das Opfer ab, einer "zieht" die Beute, andere decken die Tat und nehmen das Gestohlene sofort an sich. Gemeinsam verschwinden sie dann im vorweihnachtlichen Gedränge."
Als Taschendiebe traten in der Hälfte aller Fälle im Jahr 2008 nichtdeutsche Tatverdächtige auf. Betroffen sind überwiegend Frauen, da an ihre Handtaschen besonders leicht heranzukommen ist.
Die Tricks der Banden:
Rempel-Trick: Das Opfer wird im Gedränge angerempelt oder auf der Treppe von Passanten "in die Zange" genommen; beim Einsteigen in den Bus stolpert der Vordermann, er bückt sich oder bleibt plötzlich stehen. Während das Opfer aufläuft und abgelenkt ist, greift ein Komplize in die Tasche.
Drängel-Trick: In vollen Bussen oder Bahnen rückt ein Taschendieb unangenehm dicht an das Opfer heran, das ihm ärgerlich den Rücken zuwendet - und damit die Schultertasche "griffbereit" darbietet.
Stadtplan-Trick: Fremde fragen das Opfer nach dem Weg und halten ihm einen Stadtplan vor oder bitten es - etwa auf Bahnhöfen - an einen ausgehängten Plan. Während sich das Opfer orientiert und abgelenkt ist, plündern andere Täter die Hand- oder Umhängetasche.
Geldwechsel-Trick: Fremde bitten das Opfer, eine Münze - oft ein Zwei-Euro-Stück - zu wechseln. Wenn das Opfer die Geldbörse zieht und das Münzfach öffnet, wird es vom Täter abgelenkt, der seine Münze in die Börse wirft, auf das gewünschte Kleingeld zeigt oder das Opfer auf andere Art irritiert. Dabei stiehlt er die Banknoten aus dem Geldscheinfach.
Beschmutzer-Trick: Speziell nach einem Bankbesuch wird das Opfer "versehentlich" mit Ketchup, Eis oder einer Flüssigkeit bekleckert. Beim wortreichen Reinigungsversuch verschwindet das gerade abgehobene Geld aus der Bekleidungstasche.
Supermarkt-Trick: Im Supermarkt fragen Fremde das Opfer nach einer bestimmten Ware. Während es danach sucht oder die vorgezeigte Ware erklärt, wird die Tasche am Einkaufswagen ausgeräumt.
Bettel-Trick: Kinder halten dem Opfer im Lokal oder Straßencafé ein Blatt Papier mit der Bitte um eine Spende vor. Oder sie tollen auf der Straße um das Opfer herum und betteln es an. Dabei nutzt einer die Ablenkung für einen raschen Griff nach der bereitliegenden Geldbörse oder in die Handtasche.
Blumen-Trick: Ein Fremder begrüßt das Opfer auf der Straße wie einen Freund, umarmt es oder steckt ihm eine Blume an. Während das Opfer verdutzt und abgelenkt ist, verschwindet aus der Tasche die Geldbörse.
Taschenträger-Trick: "Taschenträger" oder "-trägerinnen" spähen ältere Frauen beim Einkaufen aus und bieten ihnen scheinbar hilfsbereit an, den Einkauf nach Hause zu tragen. Dort eilen sie mit der Tasche die Treppe hinauf, während der ältere Mensch nicht so schnell hinterherkommt. Unterwegs nehmen sie die Geldbörse heraus, stellen die Tasche vor die Tür und kommen dem Opfer grüßend entgegen. Der Verlust wird erst beim Auspacken bemerkt.
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Wo und wann Taschendiebe bevorzugt "zuschlagen"
Taschendiebstahl ist besonders ein Delikt der Städte. Brennpunkte sind die öffentlichen Verkehrsmittel mit Haltestellen, Bahnhöfe, Busse und Bahnen, Einkaufszentren mit Fußgängerzonen, Kaufhäuser oder Weihnachtsmärkte - also alle Orte, an denen viele Menschen zusammenkommen und Gedränge herrscht.
Die Tatzeiten des Taschendiebstahls folgen den Tatgelegenheiten: So liegen die zeitlichen Schwerpunkte im Bereich der öffentlichen Nahverkehrsmittel überwiegend in der abendlichen "Rush-hour". Entsprechende Brennpunktzeiten in den Einkaufszentren sind die Stunden vor Ladenschluss und in der Vorweihnachtszeit.
Die Tipps der Polizei:
Taschendiebe lassen sich am typischen suchenden Blick erkennen: Sie meiden den direkten Blickkontakt zum Opfer und schauen eher nach der Beute (Hand- oder Umhängetasche).
- Geld, Schecks, Kreditkarten und Papiere immer in verschiedenen verschlossenen Innentaschen der Kleidung dicht am Körper tragen.
- Hand- und Umhängetaschen verschlossen auf der Körpervorderseite tragen oder unter den Arm klemmen.
- Nutzen Sie statt eines Portemonnaies möglichst einen Brustbeutel, eine Gürtel-innentasche, einen Geldgürtel oder eine am Gürtel angekettete Geldbörse.
- Geldbörsen nicht oben/offen in Einkaufstasche, -korb oder -wagen legen, sondern körpernah tragen.
- Handtaschen auch im Restaurant, im Kaufhaus, im Laden - selbst bei der Anprobe von Schuhen oder Kleidung - nicht an Stuhllehnen hängen oder unbeaufsichtigt abstellen.
Weitere Informationen gibt es bei jeder Polizeidienststelle, im Faltblatt "Schlauer gegen Klauer" sowie im Internet unter www.polizei-beratung.de.
Jürgen Börner
Polizeidirektion Kiel Stabsstelle/Öffentlichkeitsarbeit
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