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Herr Weber ist Jahrgang 1955, verheiratet und hat drei kleine Kinder; zwei Söhne und eine Tochter. Geboren ist er in Kappeln an der Schlei, aufgewachsen in Kiel-Mitte. Nach dem Abitur hat er seinen Wehrdienst bei der Bundesmarine abgeleistet. Anschließend studierte er Mittlere-, Neue-, sowie Osteuropäische Geschichte und Slawistik. Er schloss das Studium erfolgreich mit dem MA (Magister) ab. Beruflich tätig war er als wissenschaftlicher Angestellter und freiberuflicher Historiker. Im Landtag ist er parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Mitglied des Finanzausschusses, sowie Kapitän des F.C. Landtag. Herr Weber empfing uns in seinem Büro im Haus des Schleswig-Holsteinischen Landtages und war in der Lage, sofort eine angenehme Atmosphäre zu schaffen, in der es sich sehr gut miteinander reden ließ. Wirklich bemerkenswert ist, dass er sich mit unserem Stadtteil außerordentlich gut auskennt. Die Probleme und Missstände sind ihm bewusst. Wir sprachen unter anderem über das Bildungsproblem in Deutschland, speziell auf Mettenhof bezogen. Ein wichtiger Punkt, der ihm sehr am Herzen liegt, ist die Chancengleichheit. Die ist, nicht nur bezogen auf die Jugend mit Migrationshintergrund, nur dann gewährleistet, wenn man die Grundvoraussetzung und das ist die deutsche Sprache, ausreichend beherrscht. Ohne Kenntnisse der Sprache werden die meisten, sicher auch gut durchdachten Angebote, wenig Früchte tragen. Diese Voraussetzungen sollten seiner Meinung nach nicht erst in der Schule vermittelt, sondern schon in der Vorschulzeit gelehrt werden. Hierbei sind auch die Eltern der Kinder gefordert, die ebenfalls mit ihren Kindern möglichst viel Deutsch sprechen sollten.
Von diesem Thema war es nur ein kleiner Schritt zu den Ergebnissen und Auswirkungen der Pisa-Studien. Auch für Herrn Weber war es zwar ein nicht unerwartetes, aber nichts desto trotz erschreckendes Bild, das Deutschland dabei abgegeben hat. Es nützt aber seiner Ansicht nach nichts, nur darüber zu reden, sondern das Problem muss angepackt werden. Herr Weber ist der Meinung, dass ein Blick in den Norden Europas einige gute Anregungen geben kann. Nicht ohne Grund liegen die skandinavischen Länder bei den Pisa-Studien mit an der Spitze. Ein Anfang ist die Einführung der Ganztagesschulen in Deutschland. Dies darf aber nicht das Ende der Anstrengung sein, sondern erst der Anfang. Es bedarf großer finanzieller und personeller Bemühungen, den Abstand zu den führenden Staaten zu verringern. Wir sollten und dürfen uns in der Zukunft nicht damit zufrieden geben, dass wir gute Akademiker hervorbringen; wir müssen unser Augenmerk vermehrt bessere Bildung für alle richten. In Bezug auf Mettenhof findet er es bemerkenswert, wie eng die Institutionen im Sinne unseres Stadtteiles zusammen arbeiten. Dies geschieht u. a. in der Stadtteilkonferenz, auf der regelmäßig die Probleme und Entwicklungen in Mettenhof besprochen werden. Nicht nur durch seine Schirmherrschaft beim MAfK, sondern auch durch seine Teilnahme an diversen Veranstaltungen in und für Mettenhof zeigt er seine Verbundenheit mit unserem Stadtteil. Er wies nachdrücklich auf die verschiedenen Besonderheiten unseres Stadtteils hin. Er bezog sich dabei auf der einen Seite auf die abgeschiedene Lage, “ es ist beinahe eine Stadt in der Stadt“, wie auch auf die in Kiel, nur noch mit Gaarden vergleichbaren sozialen Strukturen. Er meinte damit die kulturelle Vielfalt, aber auch die hohe Arbeitslosigkeit. Entgegen dem Vorurteil, dass „die Mettenhofer“ gar nicht arbeiten wollen, weiß er genau, dass die meisten sich sehr aktiv um Arbeit bemühen.
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Auch die vom Stadtkern entfernte Lage Mettenhofs ist ein Grund, weswegen wir auf die Freizeitangebote unseres Stadtteils zu sprechen kamen. Wer etwas erleben will, muss erst einmal für viel Geld in die Stadt fahren. Herr Weber weist darauf hin, dass es in Mettenhof immer an Geschäften oder Kneipen gemangelt hat. Die Gebäude sind Wohnhäuser und so sind die Räume auch geschnitten. Im Gegensatz zu Gaarden haben wir hier keine gewachsene Struktur. Die Kneipen in den anderen Stadtteilen sind zum Großteil alte, seit über 30 Jahren bestehende Einrichtungen, die in Mettenhof, auf Grund der Gegebenheiten nicht möglich waren. Wer hier ein gastronomisches Gewerbe auf die Beine stellen will, der muss viel Geld in neue Gebäude investieren, und alleine dieser Umstand hält mögliche Investoren ab. Denn das Risiko, dass die neue Kneipe, das neue Restaurant etc. nicht gut ankommt und anläuft, ist groß. Wichtig ist, dass ein Unternehmen nicht nur in seinem Stadtteil ankommt, sondern auch über die Grenzen hinaus. Erst, wenn sich Auswärtige sagen: „Komm, wir fahren heute Abend mal nach Mettenhof und lassen es uns in dem Restaurant so und so gut gehen“, dann ist die Chance auf Erfolg gegeben. Er nennt als positives Beispiel die Mettenhofer Kulturtage, für die auch Einwohner aus anderen Stadtteilen zu uns kommen und unterschiedliche Veranstaltungen besuchen. Imagearbeit außerhalb Mettenhofs ist für unseren Stadtteil sehr wichtig. Das Selbstbewusstsein der Einwohner ist groß und gut. Aber das restliche Kiel soll ebenfalls wissen und sehen, wie schön es hier ist und dass es immer wieder interessante Dinge zu erleben gibt. Wegen der räumlichen Trennung findet nicht so ein großer und intensiver Austausch mit den Einwohnern der anderen Stadtteile statt, wie Herr Weber es sich wünschen würde. Eines der letzten Themen drehte sich um den Bau eines Schwimmbades. Er wagt zu behaupten, dass jeder Mettenhofer mindestens einmal in seinem Leben mit der Frage konfrontiert wurde: Warum haben wir hier kein Schwimmbad? Diese Forderung ist auch nicht unbegründet bei ca. 18.000 Einwohnern. Erst Recht, wenn man bedenkt, dass die Lessinghalle seit längerer Zeit geschlossen ist. Wir benötigen eine Alternative. Die nächsten Hallenbäder sind die Uni- Schwimmhalle oder das Gaardener Schwimmbad. Herr Weber erklärte, dass die Stadt über diese Institutionen verfügt und somit auch für den Bau neuer Gebäude verantwortlich ist. Es wird über ein zentrales Bad an der Hörn diskutiert. Die Wahrscheinlichkeit für ein stadtteileigenes Schwimmbad ist somit gering, doch wird es für die neue Halle ein durchdachtes Preissystem geben, damit jeder in den Genuss kommen kann. Außerdem wird dadurch der Schwimmunterricht in den Schulen wieder gefördert und es sollte möglich sein, dass die Kinder wenigstens eine Stunde Schwimmen in der Woche bekommen sollten.
Das Interview kam nach 1 ½ Stunden zum Ende; viel Zeit, die sich Herr Weber für ein vergleichsweise kleines Blatt, wie das Unsrige nahm. Vielen Dank an dieser Stelle dafür, auch für die leckeren Kekse. Die Atmosphäre war wirklich angenehm, angefangen bei dem Empfang durch seine sehr nette Sekretärin, die uns schon am Fahrstuhl abholte. Es kam nie das Gefühl von Zeitdruck auf und unsere Fragen wurden offen beantwortet. Unser Eindruck ist, dass Herr Weber weiß, was für Probleme in seinem Wahlbezirk bestehen, und er sich aktiv um Abhilfe bemüht. Wir hoffen, dass sein Engagement auch zukünftig nicht nachlässt und er sich weiterhin in dieser Art und Weise für unseren Stadtteil einsetzt.
Heidi Venker Kai Gemein Michael Preiss st@rtbüro
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