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Pastor Willi Schorr ist am 03.10.1944 in Westpreußen geboren.
Seine Eltern sind Bessarabiendeutsche. Die Bessarabiendeutschen sind eine deutsche Volksgruppe, die zwischen 1814 und 1940 in Bessarabien (heute unter Moldawien und Ukraine aufgeteilt) lebte. Etwa 9.000 Personen kamen zwischen 1814 und 1842 aus Baden, Württemberg, dem Elsass, Bayern, sowie aus ehemals preußischen Gebieten nach Bessarabien.
Seine Eltern flüchteten als er ca. drei Monate alt war, nach Deutschland.
Einer Umsiedlung ins Deutsche Reich Ende 1940 schloss sich die Volksgruppe nahezu mit 93.000 Personen an.
Die Flüchtlinge wurden überall in Deutschland verteilt und seine Eltern kamen in ein kleines Dorf in der Nähe von Schwäbisch Hall. Seit 1952 ist Württemberg ein namensgebender Teil des Bundeslandes Baden-Württemberg. Er ist dort aufgewachsen und zur Schule gegangen. Sein Vater war von Beruf Landwirt, später Heimleiter. Nebenbei war er Küster und auch Laienprediger bis Pastor Schorr erwachsen war.
Küster (lat. custos „Hüter“, „Wächter“), auch Kirchner, Kirchendiener oder Sakristan, genannt und dessen Dienstwohnung die Küsterei bzw. Messnerei ist.
Der Küster bezeichnet einen Beruf in der Kirche, vergleichbar mit einem Hausmeister.
Die Eltern waren regelmäßige Kirchengänger und gingen zusätzlich einmal in der Woche zur Bibelstunde.
Der Vater fuhr auch im Winter mit dem Fahrrad von Dorf zu Dorf und hielt selber Bibelstunden ab.
„Die Frömmigkeit meiner Eltern hat mich sehr stark geprägt“ erzählt Pastor Schorr.
Seine letzten Schuljahre verbrachte er in einem kirchlichen Internat in Urach, in dem die Württembergische Kirche ihren Nachwuchs heranzog.
Viele Absolventen des Internats studierten nach dem Abschluss Theologie.
Es wurde nie ausgesprochen, aber seine Eltern hegten den großen Wunsch, dass auch er Theologie studiert.
Pastor Schorr hatte geschwankt in seinem Vorhaben Pastor zu werden, weil er eine Vorliebe für die Musik hatte. Er wusste lange nicht in welche Richtung seine berufliche Laufbahn gehen sollte, zur Musik oder zur Theologie.
Um Klarheit zu bekommen und um eine endgültige Entscheidung treffen zu können, leistete er seinen Militärdienst ab, um genügend Zeit zum Nachdenken zu haben.
Seine Entscheidung für die Theologie, wurde davon beeinflusst, dass ein Brief vom „Tübinger Stift“ kam, in dem sie anfragten, ob er nicht doch Theologie studieren wolle. Das Tübinger Stift ist ein Studienhaus der evangelischen Landeskirche in Württemberg.
Traditionell wird dort großer Wert auf eine gründliche philosophische, sprachliche und kirchenmusikalische Ausbildung gelegt. Er sagte zu und studierte Theologie. Theologie ist eine wissenschaftliche Disziplin und Studienfach.
Um im kirchlichen Dienst als Theologe arbeiten zu können, genügt das Studium alleine nicht. Es ist erforderlich, eine praxisorientierte Seelsorgeausbildung zu absolvieren. Bei freikirchlichen Hochschulen und Bildungseinrichtungen ist dieser pastorale Ausbildungsteil hingegen schon in das Studium integriert.
Für evangelische Theologen ist das Vikariat Voraussetzung um Pastor zu werden.
Das Vikariat ist eine zweite Ausbildungsphase, bei der sich praktische Tätigkeiten in einer Kirchengemeinde, mit Kursen in einem Predigerseminar abwechseln.
Eine kirchliche Prüfungskommission nimmt ein zweites theologisches Examen ab. Dem Vikariat entspricht die Kaplanszeit der katholischen Priester, die unmittelbar der Priesterweihe folgt und in der das staatliche Pfarrexamen abzulegen ist.
Nachdem er vier Semester in Tübingen studiert hat, ging er nach Hamburg, wo er 1973 seine Frau kennenlernte. Er absolvierte ein Zusatzstudium in Sozialpädagogik und begann anschließend mit dem Vikariat in Kiel.
Seinen ersten Pfarrdienst begann Pastor Schorr am 1. November 1975 in Krempe bei Glückstadt im Kreis Steinburg; er blieb dort 12 Jahre.
Ein Pastor hat die Bewerbungsfähigkeit, er kann sich überall bewerben und muss dafür sorgen, dass er genug Stimmen von dem Kirchenvorstand der jeweiligen Kirche, bei der er sich beworben hat, bekommt.
Pastor Schorr bewarb sich für Mettenhof, weil er hier schon einmal während seines Vikariats gewohnt hatte und es ihm gut gefallen hat.
Außerdem wollte er für eine größere Gemeinde arbeiten, mit mehreren Pastoren im Team zusammen.
Dies war auch ein familiärer Wunsch, weil seine Frau aus Hamburg kommt und städtischer leben und arbeiten wollte.
Hinzu kam, dass bei seinem Sohn der Schulwechsel anstand.
Alles passte zusammen und so trat er seinen Dienst am 16. Oktober 1987 in der ev. Thomas-Gemeinde an.
Er wohnte bis vor drei Jahren selbst bei der Kirche, weil ein Pastor in der Regel eine Residenzpflicht hat.
Er bekam eine Ausnahmereglung und wohnt nun in der Narvikstrasse.
Die Ausnahmeregelung schreibt vor, dass man innerhalb der Gemeinde wohnen bleiben muss.
Die ev. Thomas- Gemeinde und die kath. St Birgitta-Kirche haben sich zusammengeschlossen. Wenn zwei Glaubensrichtungen zusammen arbeiten, nennt man es Ökumenisches Zentrum.
In diesem Zentrum ist die Kirche in den katholischen Händen und das Gemeindehaus in den evangelischen.
Es gibt mehrere Pastoren (evangelisch) die jeweils für verschiedene Gebiete in Mettenhof zuständig sind.
Ein Teil der Arbeit wie z.B. Hochzeiten, Geburtstagsbesuche, Beerdigungen und Seelsorgerbesuche ist straßenmäßig aufgeteilt.
Pastor Schorr ist für die Seniorenarbeit in der gesamten Gemeinde zuständig, wie z.B. dem „fröhlichen Kreis“ und auch in der Behindertenarbeit.
Er war lange in der Öffentlichkeitsarbeit tätig und für die kirchlichen Berichte in der Z.f.M. zuständig.
Die Gemeinde umfasst den Stadtteil Mettenhof.
Viele Bereiche sind ökumenisch aufgestellt, wie z.B
die Chöre, die gesamte Kirchenmusik, und z.T. auch die Seniorenarbeit.
Alle Schulgottesdienste wie z.B. Einschulgottesdienste werden zusammen abgehalten.
Darüber hinaus gibt es im Jahr vier verschiedene ökumenische Gottesdienste, unter anderem, Bußtag, Altjahrestag zu Sylvester, Pfingstmontag und im Januar zum ökumenischen Neujahrsempfang.
Pastor Schorr sagt, das sich das Stadtbild von Mettenhof verbessert hat.
Durch das Programm „Soziale Stadt“ ist einiges an Sanierungen durchgeführt worden, wie z.B. auch in den ehemaligen Brennpunkten Bergenring, Osloring und Helsinkistrasse.
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Die Anzahl der hier lebenden Türken ist gewachsen und er vermutet, dass viele aus Gaarden hier her gezogen sind.
Was ihm heute auffällt ist, das es ein intensives und enges Miteinander der Vereine und Gruppen gibt, wie z.B im Jugendbereich, Jugendbüro, Jugendbauerhof.
„Man merkt schon, das Mettenhof ein sozialer Brennpunkt ist, besonders merke ich dies in meinem Konfirmandenunterricht“ sagt er.
„Viele Kinder und Jugendliche sind oft flippig “der falsche Umgang mit elektronischen Medien ist wohl ein Grund, denkt er.
Er erklärte uns, daß sie eine sehr lebendige Jugendarbeit in der Thomas Gemeinde haben.
Mit der Jugendarbeiterin Frau Birkenstock arbeiten die Pastoren eng zusammen. Am Dienstag im Anschluss an den Konfirmanden Unterricht, gibt es das „Kaffee-Tee“.
Das bedeutet freies Spielen, Kickern, Klönen, Tee und Kaffee trinken, eine Art Internetcafe in dem die Kinder an den PC herangeführt werden, weil sie zu Hause nicht die Möglichkeit dafür haben.
In Zusammenarbeit mit der Jugendleiterin wird eine Jugendfreizeit für Konfirmanden durchgeführt. Die Jugendlichen fahren einmal im Jahr für 4 Tage an den Brahmsee, darunter fällt auch ein Schultag, an dem die Kinder von der Schule extra befreit werden.
Alle Konfirmanden eines Jahrgangs, das sind ca. 60-70 Jugendliche, treffen sich dort mit vielen jugendlichen Helfern. Sie wohnen dort in einfachen Holzblockhäusern.
Es gibt Arbeitsprogramme zu unterschiedlichen Themen wie z.B. der Taufe - mit Behinderten arbeiten- „Vergebung“.
In der Freizeit spielen sie und schwimmen im Brahmsee.
Die Jugendleiterin arbeitet mit ehrenamtlichen Helfern (ehemalige Konfirmanden), die viele und wichtige Aufgaben übernehmen.
Einige machen den Jugendleiterschein.
Bis zum heutigen Tag hat es deshalb nie einen Mangel an Nachwuchs gegeben. Diese Angebote werden sehr gut angenommen. Das Jungendbüro und die Kiste gehören zur Kirche.
Herr Pastor Schorr sieht einen großen Teil seiner Arbeit als soziale Arbeit an.
„Das Evangelium soll im Gottesdienst, aber auch im Gespräch den Menschen nahe gebracht werden“ erklärte er.
Es gibt Menschen die bei ihm häufig wegen Lebensmittelgutscheinen nachfragen.
„Es geht nicht darum, schnell mal einen Gutschein auszufüllen, sondern ich komme auch mit den Leuten ins Gespräch“ „Das ist eine wichtige Arbeit “erklärt er. „Das sind recht intensive Kontakte, das nimmt viel Zeit in Anspruch“, erwähnt er
Herr Pastor Schorr hätte gerne mehr Menschen im Bereich des Besuchsdienstes aufgesucht, z.B. aus Anlass eines Geburtstags. Er hat gemerkt, dass es Sinn macht die Leute zu besuchen, dass sie sich freuen, wenn man kommt. Er bekommt Hinweise, dass da jemand ist, der besucht werden möchte, der einsam ist.
Insgesamt hat er eine lange Liste im Kopf, die er nie richtig abarbeiten konnte. Dafür reicht die Zeit einfach nicht mehr aus.
Herr Pastor Schorr erklärte, das in der Sommerzeit zwischen 30 und 40 Personen in die Gottesdienste gehen. In der übrigen Zeit sind es ca.70 – 90 Personen.
Dann gibt es wiederum je nach Anlass unterschiedliche Besucherzahlen wie z.B. zum Ewigkeitssonntag dem letzten Tag im Kirchenjahr, den Adventssonntagen und zu Weihnachten.
Herr Pastor Schorr hat sich nach seiner Pensionierung sehr viel vorgenommen.
Er hat viele Interessen, privater, aber auch kirchlicher Art.
Er will auch ehrenamtlich arbeiten.
Einige private Wünsche nach seiner Pensionierung sind Lesen, Klavier spielen und mit seiner Frau verreisen.
Herr Pastor Schorr wünscht sich für seine Gemeinde, das sie bei ihrer ureigensten Sache bleibt. „Das es ihr gelingt, den Schatz des Glaubens an die Menschen im Stadtteil zu vermitteln, das wäre das beste für den Stadtteil“.
„Die Kirche soll ja, so steht es in der Bibel, der Stadt Bestes suchen“ erklärte uns Herr Pastor Schorr. Sie soll immer auch darauf bedacht sein, das es den Menschen in der Stadt gut geht, und das, glaubt die Kirche, wird so sein, durch die Vermittlung des Glaubens.
„In einer Umfrage die vor einigen Jahren durchgeführt wurde, haben wir
herausgefunden, dass die Menschen es wollen, dass die Kirche den Glauben weitergibt. Sie soll auch sozial tätig sein“. diese zwei Schwerpunkte wurden bei der Umfrage genannt.
Im Juli ist seine Nachfolgerin Frau Pastorin Weiß gewählt worden.
Herr Pastor Schorr wünscht sich für seine Nachfolgerin, das sie einen guten Einstand hat, daß sie von den Menschen angenommen wird, das sie Freude an ihrer Arbeit hat, das sie sich gut in die Gemeinde einleben kann und natürlich wünscht er ihr Gottes Segen.
Er selber hofft, dass er gesund bleibt, dass sich einige Wünsche, die er an seinen Ruhestand hat, erfüllen werden und dass er ehrenamtlich etwas findet, was ihm Freude macht.
Wir wünschen Herrn Pastor Schorr auf seinem weiteren Lebensweg alles Gute und
das all seine Träume nach seiner Pensionierung in Erfüllung gehen.
Halima Khabou
Bianca Enders
St@rtbüro
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