|
Seine Kunden schätzen die Vielfalt seines Angebotes wie z. B. 24 Apfelsorten, darunter auch alte Sorten; unter anderem bietet Nagel auch säurearme Äpfel für Allergiker an.
Hans-Wilhelm Nagel besitzt große Kenntnisse über die Waren, die er an seine Kunden auch gerne weitergibt und denen es sehr gefällt, dass sie sich die Waren in Ruhe aussuchen dürfen. Manche Kunden lassen sich auch nur von ihm bedienen, auch wenn sie deshalb warten müssen und sollten er und sein Stand einmal nicht da sein, bedauern das seine Kunden sehr, denn es herrscht eine familiäre Stimmung und Hans-Wilhelm Nagel hat immer einen lustigen Spruch auf den Lippen.
Der 53-jährige und verheiratete Hans-Wilhelm Nagel, gelernter Gärtnermeister, lebt gemeinsam mit der Familie und seinen beiden Kindern auf einem landwirtschaftlichen Betrieb, der in der dritten Generation geführt wird, von welchen sich noch 2 mit auf dem Hof befinden.
Nagel stammt aus dem "alten Land" bei Hamburg. Das alte Land ist durch drei Deichmeilen begrenzt und erstreckt sich von Stade bis Hamburg. Mit 14.300 ha Baumobst ist es das größte zusammenhängende Obstanbaugebiet Mitteleuropas; mit 91% Kernobst, 7% Steinobst, 2% Beerenobst. Hans-Wilhelm Nagel selbst besitzt 28 ha Land, auf dem er ausschließlich Obst anbaut, u.a. neben den Äpfeln 1 ha Pflaumen und 2 ha Süßkirschen. Zur Selbstvermarktung sind Erdbeeren, Johannesbeeren, Stachelbeeren bestimmt.
Nach seiner Heirat 1979 warf der Hof nicht mehr genug Gewinn ab, um drei Generationen zu ernähren. Außerdem waren die Großhandelspreise stark gesunken. So beschloss die Familie ein weiteres Standbein aufzubauen und ihre Waren auch auf den Wochenmärkten anzubieten.
Der erste Obststand wurde dann in Bad Oldesloe (Schleswig-Holstein) eröffnet. "Der Anfang war sehr schwer", wie Hans-Wilhelm Nagel erklärt. "Nur mit viel Ausdauer haben wir es geschafft." Im ersten Jahr hatte er in Bad Oldesloe pro Wochenmarkttag nur wenige Kunden. Doch heute nach Dreißig Jahren ist die Kundenzahl erheblich angestiegen.
|
|
Der Familienbetrieb Nagel erntet im Jahr 800 bis 1000 Tonnen Obst. Diese Menge ist unmöglich auf den Wochenmärkten zu verkaufen, deswegen schloss sich sein Vater 1968 nach deren Gründung der "Elbe-Obst-Erzeuger Organisation r.V." an, die heute ca. 500 Mitglieder hat. Die Organisation exportiert bis nach Russland und in die Skandinavischen Länder.
Zu den Kunden von Elbe-Obst zählen der Lebensmitteleinzelhandel und Handelsketten, die den größten Teil der Ware abnehmen. Hans-Wilhelm Nagel verkauft über 90% seiner Ernte an Elbe Obst, hat aber immer noch rund hundert Tonnen für den Direktverkauf übrig.
Im Allgemeinen sieht Nagel die Wochenmärkte aber auf dem absteigenden Zweig, weil viel Obst und Gemüse täglich im Supermarkt günstig angeboten wird. Außerdem haben die Märkte zusätzlich sehr gute Parkmöglichkeiten für die Kunden und für die LKW, was beim Wochenmarkt leider nicht immer gegeben ist. So wünscht sich Hans-Wilhelm Nagel dass es bei der Stadtplanung- und Verwaltung berücksichtigt werden sollte, dass um den Markt herum ausreichend Parkmöglichkeiten vorhanden sind. Auch zeigt sich Nagel über die allgemeine Entwicklung der Wochenmärkte nicht sehr glücklich, da "der typische Charakter über die Jahre verschwunden ist und durch ein flohmarktähnliches Ambiente ersetzt wurde". Seinen Humor und seinen Charme hat er deshalb aber nicht abgelegt, wie seine Kunden festzustellen wissen.
Bericht & Fotos:
Halima Khabou und Bianca Enders
|