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Ayse Fehimli wuchs als Tochter einer alevitisch - kurdischen Familie im Kurdengebiet der Türkei auf. Als politisch Verfolgte kam sie mit knapp 18 Jahren 1977 nach Deutschland. Hier lernte sie Ihren Ehemann kennen, mit dem sie drei eigene Kinder hat und der weitere drei Kinder in die Ehe mitbrachte. Ihr Leben gestaltete sich so: Verantwortung für die Erziehung von sechs Kindern, ohne Deutschkenntnisse, Partnerin in einer nicht sehr glücklichen Ehe und Arbeit in einer Schraubenfabrik. Nach 13 Jahren Eheleben verließ sie mit ihren Kindern ihren Mann und flüchtete ohne Hab und Gut nach Kiel in ein Frauenhaus. „Ich spürte, hier fing mein Leben erst an!“ Das Leben fing hier für Ayse mit einem Deutschwörterbuch an, denn sie wusste, um sich hier wohl zu fühlen, muss sie die Menschen verstehen, ihre Sprache und ihre Traditionen. 1992 konnte sie endlich eine eigene Wohnung in Mettenhof beziehen. Durch die Unterstützung anderer Mütter konnte sie ein kleines Netzwerk aufbauen, das sie auch bei der Kinderbetreuung unterstützte. So konnte sich Ayse ganz auf ihre Berufung konzentrieren, Frauen und Kindern zu helfen, egal ob mit oder ohne Migrationshintergrund, egal, welcher Art Probleme da auftauchten. So gründete sie in der Beratungsstelle „Lärche“, die ihr einen Platz für ihre Ideen zur Verfügung stellte, eine internationale Frauengruppe. „Das, was jetzt in der Öffentlichkeit thematisiert wird mit den Problemen der Integration, habe ich schon vor 20 Jahren in die Hand genommen. Mir war es immer wichtig, Frauen zu stärken, weil sie die zentrale Figur in der Kindererziehung sind. Ich habe gekämpft und kämpfe heute immer noch für eine bessere Einsicht der Menschen, für ein friedliches Zusammenleben zwischen Mann und Frau und zwischen den Kulturen. Und ich stelle mich gegen Rassismus, Fundamentalismus und Menschen, die aufgrund Ihrer Wertvorstellungen und Handlungen ein friedliches Zusammenleben der Menschen verhindern.“ Ayse Fehimli hat seitdem unzählige Projekte zum Laufen gebracht, ist Mitautorin des Buches: „Frauen in der Religion“, schreibt Gedichte, spielt Theater, malt und wird nicht müde, ihre Vorstellung von einer besseren, friedlicheren Welt in die Tat umzusetzen. „Wenn wir in der Gegenwart nichts tun, ist die Zukunft schon verloren.“ Und es gibt noch viel zu tun, nicht nur in Mettenhof; auch was die gesellschaftlichen Strukturen
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betrifft, wünscht sie sich eine Veränderung. Ein gutes Beispiel für die Notwendigkeit eines Umdenkens ist die Gleichberechtigung der Frau. „Das ist reine Augenwischerei. Wir haben keine Gleichberechtigung. Das siehst du nicht nur in Lohnfragen, wo eine Frau trotz gleicher Leistung deutlich weniger verdient als ein Mann, das siehst du vor allem in Kleinigkeiten. Das Denken, dass Frauen an den Herd gehören, spukt immer noch in den Köpfen der Männer. Vor allem in den Köpfen von Männern mit einem anderem kulturellen Hintergrund.“ Und das ist traurig, denn Frauen sind ein großes Potential, das nicht genutzt wird, weil sich die Strukturen nicht den heutigen Bedingungen angepasst haben.
Um auch politisch ihre Stimme erheben zu können, trat Ayse 2007 in die Partei „Die Linke“ ein. Vorgeschlagen als Spitzenkandidatin für die Kommunalwahlen ihrer Partei wurde sie 2008 Ratsmitglied. Seitdem ist sie sozialpolitische Sprecherin „Der Linken“ und zuständig in Ausschüssen für frauenpolitische und migrationspolitische Themen. Eine Arbeit die ihr großen Spass macht, denn nur zuschauen und zu merken, dass da vieles schief läuft ohne etwas dagegen zu tun, wäre schrecklich. So wünscht sich Ayse, dass es eine gerechtere Verteilung der Arbeitsplätze gibt, in Form von Frauenquoten. Dass allein erziehende Frauen mehr Anerkennung und Hilfe bekommen, nicht nur bei der Erziehung, sondern auch dass die Wertschätzung eine andere wird. Dass Mütter mit Kindern, die Harz IV bekommen, nicht ausgeschlossen werden aus der Gesellschaft und Zugang zu Arbeit, Kultur und Bildung bekommen. Dass es anstatt Kürzungen im Sozialbereich mehr finanzielle Zuschüsse gibt, für Projekte und Einrichtungen die Kindern zugute kommen, um sie zu fördern und auf einen guten Weg zu bringen. Und nicht zuletzt wünscht sich Ayse, dass es ein friedliches Miteinander und Zusammenleben zwischen den Kulturen gibt, geprägt von gegenseitigem Verständnis und Toleranz, hier in Mettenhof und in der Welt.
Andrea Hennermann
st@rtbüro
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